Von Frauenquote und Gehaltsforderungen – Gedanken zu Emanzipation in der Arbeitswelt

Vor zwei Wochen war es wieder soweit: der Weltfrauentag wurde zelebriert, von den einen mehr, von den anderen weniger. Die aktuellen politischen Beschlüsse im Bundestag in den letzten Wochen schienen den Weltfrauentag bereits einzuläuten, denn es wurde nicht nur die Gesetzesänderung für die Pille danach ohne Rezeptpflicht, sondern auch die lang diskutierte Frauenquote in DAX-Unternehmen verabschiedet. Ein Hoch auf unsere moderne Gesellschaft, die Frauen in allen Bereichen gleichberechtigt, könnte man meinen. Die Realität in der Arbeitswelt hingegen ist eine andere. Bewegt man sich fernab von hochdotierten Managergehältern und DAX-Unternehmen, sieht es mit der Wahrheit um die Gleichberechtigung düster aus. Nicht selten hat man es im Berufsalltag mit den unterschiedlichsten Diskriminierungen zu tun. Dabei reicht die Bandbreite von offensichtlichen Unterschieden in Gehältern bis hin zu dummen, chauvinistischen Bemerkungen, die einem unterschwellig in den unmöglichsten Situationen begegnen.

Gleichberechtigung ist okay – solange sie nicht weh tut

In unserer konsumorientierten Gesellschaft sind Frauen inzwischen eine wichtige Zielgruppe. Frauen verfügen heute meist über ihr eigenes Einkommen oder sind in der Familie diejenigen, die die Finanzen im Blick haben. Noch vor 40 Jahren war das in vielen Familien anders, der Mann war der klassische Alleinverdiener, ein starker Held, der wusste, was für seine Frau und seine Familie am besten war. Dieses Bild hat sich zum Glück gewandelt, heute machen die meisten Frauen eine Berufsausbildung und finden nach Phasen der Elternzeit wieder zurück ins Berufsleben. Kaum verwunderlich also, dass Frauen als Konsumentinnen heute mindestens so gefragt sind wie Männer. Doch bedeutet das gleiche Recht als Konsumentin auch Gleichberechtigung in der Gesellschaft und vor allem in der Arbeitswelt?

Betrachtet man die Situation von berufstätigen Frauen wird schnell klar, dass wir von echter Gleichberechtigung noch weit entfernt sind. Jeder von uns kennt die Aussagen und Forderung nach gleicher Bezahlung und der meist angeführten Lohndifferenz (Bruttolohn) von 22%, die Frauen im Vergleich zu Männern weniger verdienen. Je nach Interpretationsgeschick desjenigen, der die Statistik erklärt, gibt es dafür unterschiedliche Gründe. Richtig ist sicherlich, dass mehr Frauen schlechter bezahlte Jobs ausüben als Männer. So werden gerade soziale Berufe, die hauptsächlich von Frauen gemacht werden, im Vergleich zu körperlichen, klassisch von Männern besetzten Berufen, Arbeiten weniger gut vergütet. Auch spielen Teilzeitstellen und Verdienstminderung durch Auszeiten eine Rolle. Dennoch: Vergleicht man absolute Zahlen im Gehalt von gleich qualifizierten Frauen und Männern in gleichen Positionen, so herrscht im Schnitt immer noch ein Lohnunterschied von sieben Prozent. Gleiches Gehalt für gleiche Arbeit? Von wegen!

Doch woran liegt es, das gut ausgebildete Frauen heute immer noch weniger für ihre Arbeit bekommen als ihre männlichen Kollegen?

Der Fehler ist das System – als Frau unter Männern

Der Hauptgrund für die signifikant hohen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern liegt für mich im System, denn die von Männern dominierte Arbeitswelt ist tendenziell nicht daran interessiert, Frauen als gleichberechtigte Partner anzuerkennen. Der Grund hierfür ist eigentlich einfach: die meisten Männer können Frauen nicht gut einschätzen. Männer halten Frauen tendenziell immer für emotionaler als Männer und Emotionalität bedeutet in diesem Fall auch einen gewissen Grad an Unberechenbarkeit. Da aber gerade Männer in Führungspositionen am liebsten auf berechenbare Größen setzten, umgeben sie sich nur sehr ungern mit dem Risiko Frau, wenn sie im Gegensatz dazu auch einen berechenbaren männlichen Mitarbeiter oder Kollegen auswählen können. Frauen, die in der männerdominierten Welt erfolgreich sind, passen sich meist dem Verhalten ihrer männlichen Kollegen an. Dabei gibt es durchaus Untersuchungen zum Arbeitsklima, die zeigen, dass gemischte Abteilungen wesentlich erfolgreicher agieren als homogene Strukturen. Auch Männer, die vermeintlich weibliche Kolleginnen nicht favorisieren, können vom verbesserten Arbeitsklima in Abteilungen und Betrieben mit heterogener Mitarbeiterstruktur profitieren.

Erfolgreiche Frauen fühlen sich von Frauen bedroht

Es klingt paradox: Hat es eine Frau trotz aller widrigen Umstände in die Vorstandsetage geschafft, fördert sie meist keine anderen Frauen. Das mag daran liegen, dass sich die erfolgreiche Frau so sehr der männlichen Umwelt angepasst hat, dass sie andere Frauen als Bedrohung wahrnimmt. Anstatt den Kreislauf aufzubrechen ist sie meist Teil der eingetretenen Struktur und reagiert auf andere, aufstrebende Frauen negativ. Dabei müssten gerade diese Frauen sich ihrer wichtigen Vorreiterrolle bewusst werden und aktiv junge Frauen fördern in die Chefetagen aufzusteigen. Grundsätzlich ist es auch für Frauen wichtig, erfolgreiche Netzwerke zu etablieren. Dabei tun sich aber besonders Frauen häufig schwer. Wer denkt, Karriere macht Frau nach Feierabend im Büro, wenn sie in Überstunden die liegengebliebene Arbeit der Kollegen aufarbeitet, irrt. Wer in der Berufswelt vorankommen möchte, muss neben Ehrgeiz und Fleiß vor allem das Zwischenmenschliche beherrschen. Karriere macht man eben nicht allein im Büro, sondern nach Feierabend in einer Bar bei einem kommunikativen Drink mit den Kollegen oder den Chefs.

 Was tun gegen ungleiche Bezahlung?

Ein paar gute Ansätze, wie Unternehmen und ihre weiblichen Angestellten gegen die offensichtlichen Lohnunterschiede vorgehen können, zeigt das Portal arbeits-abc.de.

  • Bezahlung nach Arbeitsleistung: Hier werden Gehälter nicht nach den subjektiv vermuteten Eigenschaften oder Verhaltensweisen von Personen vergütet, sondern nach objektiv nachweisbaren Leistungen. Nach einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) sollten Arbeitgeber darauf achten, allgemein gültige Leistungskriterien zu etablieren. Bei der Leistungsanalyse fließt dann nicht nur die reale Arbeitsleistung des Angestellten in die Beurteilung und Vergütung mit ein, sondern auch die Bereitschaft sich Weiterzubilden oder neue Leistungsbereiche zu übernehmen. Die aktive Leistungsbemessung, die sich nicht auf reine Berufserfahrung stützt, ist besonders für Frauen eine attraktive Karrierechance, die Auszeiten etwas abpuffern kann.
  • Gehaltstransparenz: In vielen Unternehmen ist es immer noch nicht üblich offen über Gehälter zu sprechen. Oft kommt es einem so vor, als ob gerade die Deutschen ein Problem damit haben zu sagen, was sie am Monatsende auf dem Gehaltskonto haben. Doch warum die falsche Scheu? Angst vor Neid? Missgunst? Das sollte nicht sein! Gerade für Berufseinsteiger ist es wichtig zu wissen, was ihre Arbeitsleistung auf dem Markt wert ist. Dann wird vermieden, das man sich aus Unwissenheit unter Wert verkauft. Ein offener Umgang mit Gehältern fördert meines Erachtens sogar den Umgang untereinander positiv. Wissen alle in einer Firma, das sie ähnlich gut verdienen, kann Neid und Missgunst eigentlich gar nicht erst entstehen. Darum: Wenn ein vertrauensvolles Verhältnis in der Firma herrscht, sollte auch das eigene Gehalt kein Tabu-Thema sein!
  • Familienfreundliche Arbeitsbedingungen: Ein Muss nicht nur für Frauen. Mit der Auflösung des klassischen Rollenbewusstseins in heutigen Familien kehren Frauen verstärkt bereits nach kürzeren Auszeiten wieder zurück in den Beruf. Dennoch wollen Kinder betreut werden – flexible Lösungen sucht man allerdings in Deutschland in den meisten Branchen noch vergeblich. Manche Frauen wollen nach der Geburt auch gar nicht so lange aussteigen. Und auch Väter sehnen sich nach Zeit mit der Familie -die Elternzeit ist da nur der Anfang. Warum also sollte man in Deutschland nicht viel mehr darüber nachdenken, flexible Arbeitslösungen zu finden, die ambitionierten Mitarbeitern genauso gerecht werden wie liebevollen Eltern – besonders, wenn es sich dabei um ein und dieselbe Person handelt. Homeoffice oder Gleitzeit sind nur der Anfang. Wer Abends noch einmal richtig produktiv wird, wenn die Kids sanft schlummern, der sollte dazu auch die Chance bekommen, egal ob der Job innerhalb der Kernarbeitszeit erledigt wird oder eben nicht.

Darüber hinaus sollten besonders Frauen darauf achten, mit einer guten, fundierten Ausbildung zu überzeugen. Praktische Erfahrung in der Berufswelt ist besonders für Frauen wichtig – auch, wenn sie sich aktiv für eine Babyauszeit entscheiden. Aber warum eigentlich 3 Jahre komplett aus dem Berufsalltag verabschieden? Vielleicht findet sich ja eine Lösung im Unternehmen, bei der man nicht ganz aus dem Treiben der Firma verschwindet.

Darum liebe Mädels: Netzwerkt, haltet Euch auf dem aktuellen Stand des Wissens und vor allem lasst Euch nichts erzählen. Informiert Euch bei Gleichgesinnten, bei Vorbildern und hinterfragt ganz bewusst Aussagen von Personalern oder Chefs. Erfolgreiche Frauen wird es nicht durch die Frauenquote geben, sondern durch moderne und aufgeschlossene Berufseinsteigerinnen, die genau wissen, was sie wollen – und zwar alles.

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PR-Beraterin und Social Media Nerd, made in Süd-Berlin, liebt das Internet und Public Relations. Ihr Vorname war Inspiration für diesen Blog.

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One thought on “Von Frauenquote und Gehaltsforderungen – Gedanken zu Emanzipation in der Arbeitswelt

  • 23. März 2015 um 18:29
    Permalink

    Hallo Céline, dein Beitrag zeigt sehr deutlich, dass es mit der Gleichberechtigung und Chancengleichheit immer noch schlecht bestellt ist. Wartet nicht darauf, dass Änderungen von allein passieren. Werdet selbst aktiv und positioniert Euch, denn bis die eingefahrene Denkweise der „alten Männer“ sich ändern könnte – darauf kann nicht gewartet werden. Also los Mädels!

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