PR-Branche: 5 Klischees, die ich nicht mehr hören kann

Ungefähr genauso lange, wie Public Relations in irgendeiner Art und Weise eine Rolle in meinem Leben spielen, bin ich ihnen begegnet: den Klischees und Vorurteilen gegenüber der PR-Branche. Schon im ersten Semester meines Kommunikationswissenschafts-Studiums war PR quasi der Inbegriff des Bösen, PR-Berater und Pressesprecher wurden als natürliche Feinde von Journalisten dargestellt. Wer nach dem Studium in der PR-Branche anheuert, muss schon sehr verzweifelt/unmoralisch/geldgeil (abwertendes Adjektiv nach Wunsch bitte hier einsetzen) sein. Ja nee – ist klar, liebe Leute! Zum Glück bin ich niemand, der sich besonders schnell abschrecken lässt und ein Mensch, der sich gerne selbst ein Bild macht. Ansonsten wäre ich wahrscheinlich nie in meinem Job gelandet und würde mich stattdessen als idealistische, aber frustrierte freie Journalistin durchschlagen oder „was Vernünftiges“ (Lehramt) machen. Ein Text über Klischees, Realität und die Feststellung, dass jeder die Freiheit hat, Begrifflichkeiten für sich selbst neu zu definieren.

Wenn mein Berufsbild einmal wieder allzu klischeehaft dargestellt wird, führt das dazu, dass ich (zumindest innerlich) gerne mal die Augen verdrehe. Höchste Zeit um einmal mit einigen Klischees der PR-Branche aufzuräumen. Meine Top Five Klischees:

  1. PR, der natürliche Feind des Journalisten: Es gibt Menschen, die meinen, PR sei nichts anderes als bloße Meinungsmache oder gar Propaganda. Allein die Verwendung dieses doch recht vorbelasteten Wortes zeugt meiner Meinung nach nur davon, dass das Gegenüber nicht besonders viel Ahnung hat. Klar ist, kein Journalist will (und darf) sich von Pressesprechern und Agenturen vorgeben lassen, was er zu schreiben hat. Wenn jedoch eine offene und ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe stattfindet, wird manch ein Journalist sogar dankbar für eine saubere Aufbereitung, einen Hinweis oder gutes Bildmaterial sein – vor allem in Zeiten, in denen Redaktionen oft gnadenlos unterbesetzt sind.
  2. PR kennt keine Moral: Durch disziplinenübergreifende Kommunikationskonzepte verschwimmt manchmal die Grenze zwischen PR und Werbung, es ist oft eine Gratwanderung zwischen neutral, aber nicht negativ und werblich, überhöht und absolut positiv dargestellt. Hinzu kommt, dass die Moral bei manchen Themenbereichen auf sehr wackeligen Beinen steht. Wer als Pressesprecher für die Tabak- oder Pharmaindustrie arbeitet, legt die Vermutung nahe, kein Gutmensch zu sein. Doch es lohnt sich hier nicht zu verallgemeinern: Wenn eine PR-Kampagne Aufklärungsarbeit im Kampf gegen illegale Drogen leistet oder einer sozialen Stiftung zu mehr Bekanntheit, Fördergeldern und schließlich zur Umsetzung caritativer Projekte verhilft, ist die Frage nach der Moral wirklich überflüssig!
  3. High Heels, Hosenanzug, Hugo Boss: Auch wir haben schon beobachtet, dass es in der PR-Branche viele Menschen gibt, die diesem Klischee (zumindest teilweise) entsprechen oder ihm versuchen hinterher zu eifern. Doch warum eigentlich? Auch wir ziehen uns zum Kundentermin etwas schicker an, dagegen ist auch nichts einzuwenden. Ansonsten gehören unsere Füße unseren Nikes und Chucks, Jeans und T-Shirt sind absolut bürotauglich und selbst Hoodies keine Ausnahme. Aus der Journalistenriege machte es Anna Aridzanjan alias @textautomat vor und etablierte den #Hoodiejournalismus. Mein Appell an die PR-Branche: Probiert es mal mit mehr Lässigkeit, denn mit High Heels an den Füßen macht ihr es euch unnötig schwer, wenn mal wieder die Welt gerettet werden muss.
  4. Latte Macchiato und immer der neueste Gossip: Bei den meisten Berufen haben die Menschen irgendein Bild im Kopf, welches meist zumindest annähernd zutrifft. Unter dem Begriff PR-Beraterin können sich eher Wenige etwas vorstellen. So könnte man meinen Latte Macchiato trinken stünde als Schlüsselqualifikation in einer relevanten Stellenausschreibung. Ebenso: Glamour, Celebreties und Klatsch & Tratsch aus der Promiwelt. Alle Menschen mit dieser Vorstellung muss ich leider enttäuschen, denn meine tägliche Koffeinzufuhr kommt von 5 – 6 Espressi aufwärts und up-to-date sind wir je nach zu betreuenden Kunden zum Beispiel in den Bereichen Robotergreifarme, Babybrei oder Stützstrumpftechnologie. Deal with it!
  5. „Määäädels, Prosecco!“ Die PR-Branche als reine Frauensache? Diejenigen, die uns als „PR-Mädels“ oder „PR-Tanten“ titulieren, können jetzt gern auch mal wieder damit aufhören. Ebenso die „Mädels“ selbst, die Public Relations immer als reinen Frauenberuf glorifizieren. Eine gesunde Mischung beider Geschlechter ist der guten Atmosphäre im Büro meist sehr zuträglich. Texte wie dieser von Bloggerin Chelsea Fagan führen nicht gerade dazu, dass man als Frau im Job ernst genommen wird. Und wer schließlich nach getaner Arbeit oder gewonnenem Neukunden-Pitch mit seinen Kolleginnen oder Kollegien mit einem Prosecco oder Bier anstoßen will, der hat es sich dann auch verdient!
Turnschuhe im Büro - im Ernst, das machen wir wirklich!
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PR-Branche: Klischee, lass nach!

Doch woher kommen eigentlich diese Klischees? Und ist vielleicht doch etwas Wahres dran? Wenn Ihr weitere Klischees und Vorurteile gegenüber der PR-Branche kennt oder Euch manches bekannt vorkommt, schreibt uns einfach einen Kommentar oder gern auch eine Mail. Wir freuen uns auf Eure Vorurteile, skurrilen Erlebnisse oder gar Eure ganz persönlichen abschreckenden Beispiele, quasi den wandelnden Klischees auf HighHeels.

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3 thoughts on “PR-Branche: 5 Klischees, die ich nicht mehr hören kann

  • 31. Dezember 2015 um 14:42
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    Hallo, ich finde deine Wiedergabe von den Klichees sehr gut und schließe mich deiner Meinung an. Ich muss eine Jahresarbeit über Journalismus halten und bin gerade bei dem Thema ,, Vorurteile gegen Journalisten“ dabei stehen solche wie skrupellos und ein hohes maß an Neugierde im Vordergrund. Nun brauche ich die Gründe dafür das diese entstanden sind usw. die meisten kann man sich denken. Ich wollte dich fragen ob du schonmal mit solchen Vorurteilen konfrontiert wurdest und was du für mögliche Gründe hälst das seolche entstehen. Danke schonmal im Vorraus und ich würde mich über eine Antwort sehr freuen .

    Antwort
    • 9. Januar 2016 um 13:15
      Permalink

      Hallo Tina, deine Arbeit hört sich sehr spannend an. Kann man die irgendwo nachlesen, wenn sie fertig ist?
      Vorurteile gegenüber Journalisten: Da kann ich nur aus meinen früheren Erfahrungen erzählen als ich Praktika in verschiedenen Redaktionen gemacht habe. Oder von den Vorurteilen, die ich heute als PR-Beraterin vielleicht habe – wobei versuche mit möglichst wenig Vorurteilen zu arbeiten! 🙂
      Was Journalisten sicher nicht gerne hören, aber ich als ein Vorurteil formulieren würde, ist die Abhängigkeit von Media-/Anzeigenkunden, die einer journalistischen Unabhängigkeit gegenübersteht. Es ist ein Balanceakt zwischen 100 %-iger Trennung zwischen Redaktion und Werbung und der Tatsache, dass Medien sich natürlich hauptsächlich durch Anzeigenkunden finanzieren.

      Antwort
  • 18. Juli 2017 um 7:36
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    Doch. Genau so ist das. Zu dem kommt übrigens noch das PR Leude kommunikativ im letzten Jahrzehnt versauert sind, sie furchtbar unkreativ sind und einen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Werbern haben.
    PR ist heute nur noch eine irrelevante Hilfssdisziplin

    Antwort

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