Blogger Relations: So klappt es für Unternehmen und Blogger

Es ist noch gar nicht so lange her, da hat sich die Bloggergemeinschaft köstlich über einen Beitrag von Mama on the Rocks amüsiert, die einen offenen Brief an ihre PR-Tante und ihren PR-Onkel schrieb und in diesem humoristisch das teilweise abstruse Vorgehen von Agenturen und Unternehmen im Bereich Blogger Relations aufbereitete. Als bloggende PR-Beraterinnen und PR-erfahrene Blogger kennen wir von Marie Laut beide Seiten der Medaille und müssen zugeben: Nicht nur Blogger bekommen teilweise merkwürdige Anfragen von Unternehmen, nein auch Agenturen müssen sich manchmal schon sehr wundern, was für Anfragen von Bloggern an sie gerichtet werden. Ein Plädoyer für bessere und professionelle Kommunikation zwischen Bloggern und Unternehmen.

Blogger Relations - so klappt die Zusammenarbeit reibungslos!Die wichtigsten Regeln für Unternehmen für bessere Blogger Relations

„Wussten Sie schon, Blogger sind ja die neuen Journalisten, mit denen müssen wir auch mal was machen.“ Wenn Ihr diesen Satz hört, egal ob von Eurem Chef oder von Euren Kunden, dann bitte ACHTUNG! Denn nichts ist schlimmer, als umprofessionelle Blogger Relations. Dabei ist es gar nicht so schwer gute Kontakte mit Bloggern zu haben und gute Geschichten zu erarbeiten – allerdings funktioniert dies eben nicht wie mit Journalisten!

1. Blogger sind KEINE Journalisten

Grundsätzlich gibt es aus meiner Erfahrung zwei Typen von Bloggern: Die einen betreiben ihren Blog als reines Hobby und wollen nicht unbedingt erfolgreich sein, die anderen haben oftmals einen kommunikativen Hintergrund (arbeiten in Agenturen oder Unternehmen) und verfolgen mit ihrem Blog ein bestimmtes Ziel. Diejenigen, die mit ihrem Blog kein besonderes Ziel verfolgen, sind für eine professionelle Kommunikation eigentlich nicht von besonderem Interesse, denn sie haben oftmals auch keine großen Reichweite. Meistens begegnen Euch diese Blogger im Agenturalltag in Anfragen für Produkttest – sie testen einfach alles, vom Weichspüler über Hundefutter und Videospiele kann alles dabei sein – und wird teilweise auch in einem Blog behandelt. Diese Anfrage kann man mitnehmen, wenn der Produkteinsatz nicht all zu hoch ist, einen relevanten Einfluss für Eure Online-PR oder SEO haben diese Beiträge aber nicht.

Dann gibt es aber auch noch richtig gut gemachte und sehr professionelle Blogs, die mit hohen Reichweiten und guten Inhalten überzeugen. Diese Blogs sollten für Euch in einer modernen PR-Arbeit genauso wichtig sein wie Magazine und Onlineportale. Denn diese Blogger haben nicht nur viele Leser, sondern bieten Euch und Eurem Produkt auch eine gewisse Glaubwürdigkeit, wenn sie mit Euch zusammen arbeiten. Aber: Auch diese Blogger sind, nur weil sie professionell sind, keine Journalisten. Blogger wollen keine 0815 Pressemitteilungen von Euch erhalten und auch nicht Eure Produkte testen und dann kostenlos über Euch berichten. Warum? Weil bloggen ein Fulltime-Job ist und alles, was ein Blogger sich bezahlen lassen kann, der Content ist, den er auf seinem eigenen Blog erschafft. Dieser Content muss individuell sein und zur Zielgruppe passen. Und diesen Content zu erstellen kostet Zeit – und darum Geld!

2. Gute Blogger Relations kosten Geld!

Vielen Unternehmen ist nicht klar, dass für gute Blogger ihr Blog mehr ist als nur ein Hobby ist. Blogger stecken viel Zeit und Ressourcen in ihr Business, müssen sich um Technik genauso kümmern wie um Content und pflegen nebenbei meist noch mehrere Social Media Kanäle. Das kostet Zeit, aber nur so kann man sich als Blogger eine Fangemeinde aufbauen und eine Stammleserschaft gewinnen. Über gute Themen können Blogger darüber hinaus Themen besetzen, die mit guter SEO-Verschlagwortung ein erfolgreiches Suchergebnis bei Google erzielen. Einen Blog mit 50.000 Besuchern pro Monat zu betreuen ist ein Fulltime-Job, den viel Blogger neben ihrem eigentlichen Beruf bewältigen. Warum aber empfinden es manche Unternehmen da als unverschämt, wenn ein Blogger für einen Beitrag 200 Euro möchte? Viele Zeitschriften mit vergleichbaren Auflagen rufen Preise von mehreren 1.000 Euro für Anzeigen oder Advertorials auf, aber bei Bloggern, die im Gegensatz zu Journalisten nicht dafür bezahlt werden Content zu schaffen, empfindet man eine kleine Zuzahlung als unverschämt? Ich bin der Meinung, wenn der Inhalt passt und es ein wertvoller Beitrag ist, der auf Eure Marke einzahlt, sollte es durchaus okay sein für einen Blogbeitrag zwischen 200 – 500 Euro zu bezahlen.

3. Blogger Relations – Persönlicher Kontakt statt Massenaussand 

Hier gilt: Jeder Blog ist anders! Darum bitte bitte verzichtet auf Massenemails und unpersönliche Nachrichten. Wenn Ihr wirklich gute Ergebnisse erzielen wollt sucht Euch ein paar handverlesene Blogs heraus und fragt die Blogger persönlich an. Stellt Ihnen Eure Idee vor und fragt ganz offensiv an, ob Eure Vorschläge für sie interessant sind. Ihr könnt auch mehrere Themen vorgeben und fragen, ob vielleicht noch eine andere Idee in Frage käme. Bitte versucht nicht Bloggern bereits fertige Texte oder Interviews mit Eurem Kunden oder Chefs anzubieten. Der Grund ist ganz einfach: Blogger suchen individuelle Themen, denn Blogger sind keine Journalisten. Im Web ist einzigartiger und wertvoller Content die Basis für erfolgreiche Blogs. Welchen Mehrwert hätte ein Blog davon Euren CEO zu interviewen? Kann er etwas erzählen, dass den Blogger interessiert? Oder will sich Eurer Unternehmen oder Eurer Kunde nur selber darstellen und den Blogger dazu als Plattform nutzen?

4. Individueller Inhalt für echten Mehrwert

Wie bereits gesagt, gute Inhalte sind das a und o für erfolgreiche Blogs und darum auch die Basis für erfolgreiche Blogger Relations. Dabei spricht nichts dagegen, mehrere Blogger mit einem Thema anzusprechen. Blogparaden sind das beste Beispiel dafür, dass mehrere Beiträge auf unterschiedlichen Blogs zu einem bestimmten Thema ganz hervorragend funktionieren und sogar einen echten Mehrwert bringen. Ein absolutes No-Go allerdings ist, wenn Ihr ein und das selbe Thema in unterschiedlichen Blogs unterbringt, ohne das es die Blogger wissen. Anstatt die Blogger zu Konkurrenten zu machen, holt sie lieber an einen Tisch und lasst sie gemeinsam Eure Produkte testen und damit arbeiten. Das macht den Bloggern, die sich meist auch sehr gut untereinander kennen und mögen, Spaß und kann Eure Zusammenarbeit sogar noch aufwerten.

Die wichtigsten Regeln für Blogger im Umgang mit Unternehmen

Nicht nur für Unternehmen können Blogger Relations eine Menge Fettnäpfchen bereit halten, auch Blogger können beim Kontakt mit Unternehmen Fehler machen. Damit das nicht passiert, habe ich mal die wichtigsten Punkte zusammen gefasst, die mir als Agenturmensch beim Umgang mit Bloggern wichtig sind.

1. Professionelle Anfragen und ein Media Kit

Vor ein paar Tagen flatterte mal wieder eine Anfrage bei mir ein, die mich doch sehr staunen ließ. Wenig professionell meldete sich hier eine Dame über Facebook, die Kooperationspartner für Produkttests suchte und mir versprach „Es wäre eine win-win Situation, wenn man mir bestimmte Produkte zur Verfügung stellt, sodass ich mit ihnen arbeiten oder sie vorstellen kann und somit bekannt mache.“ Da staunte ich nicht schlecht! Meinen Kunden bekannt machen? Mit einem Produkttest? Na wenn das mal nicht eine Win-Win-Situation sei, dann weiß ich ja auch nicht! Eigentlich klingt das schon nach einer schlechten PR-Anfrage, wie sie Mama on the Rocks beschrieben hatte, aber diese Anfrage kam wirklich von einer Dame, die einen Blog auf einer Blogger-Plattform betreibt. Was ich an dieser Anfrage so unverschämt fand war nicht, dass sie ganz offensichtlich massenhaft an alle möglichen Seiten geschrieben wurde, sondern besonders, weil die Dame einfach keine Ahnung davon hat, was ihr Blog „auf dem Markt“ wert ist. Doch wie kann man es besser machen? Im Grunde gilt für Blogger genau das gleiche wie für Unternehmen auch: Sucht Euch die Firmen gut aus, schreibt eine freundliche Anfrage und benennt am besten gleich die Produkte, die Ihr gerne vorstellen wollt und das Thema, unter das Ihr den Beitrag stellen wollt. Ganz wichtig ist es, wenn Ihr neben dem Produkt eventuell auch noch eine Zuzahlung für Euren Beitrag haben möchtet, dass Ihr den angefragten Firmen ein Media Kit zuschickt. Damit fällt den Verantwortlichen die Bewertung Eures Blogs leichter. Natürlich ist so ein Media Kit mit ein wenig Aufwand verbunden, aber schon zu Eurer eigenen Kontrolle sollten Auswertungstools wie Analytics auf Eurer Seite zum Standard gehören.

2. Die richtigen Themen finden und offen Kommunizieren

Wenn Ihr nach einer Anfrage ein positives Feedback erhaltet ist es ganz wichtig offen und ehrlich über Möglichkeiten zu sprechen, wie eine Zusammenarbeit konkret umgesetzt werden kann. Dabei dürft Ihr auch gern ganz offen sagen, wenn Dinge für Euch nicht okay sind, zum Beispiel auf die Kennzeichnung zu verzichten, dass es sich um einen sponsored Post handelt oder einen Do-Follow Link zu setzten. Als Blogbetreiber seid Ihr haftbar für die Inhalte, die auf Eurem Blog veröffentlicht werden, darum lasst Euch nicht auf zweifelhafte absprachen ein. Allerdings gilt auch, dass Ihr Euch an Absprachen halten müsst, die Ihr den Unternehmen oder Agenturen gebt. So ist es zum Beispiel nicht okay Dinge, die zugesagt wurden, gar nicht oder in geringerem Umfang durchzuführen, als vorher vereinbart. Vielleicht wird Euch das Unternehmen deswegen nicht „verklagen“, aber zumindest wird eine erneute Zusammenarbeit sehr unwahrscheinlich werden. Ebenfalls solltet Ihr bedenken, dass Ihr bei bezahlten Beiträgen, bei denen Ihr neben dem Honorar auch noch Waren erhaltet, durchaus einen Nachlass bei der Zuzahlung einräumen solltet, wenn der Wert der Waren hoch ist. Für Unternehmen sind Produkte, die für Test und Blogvorstellungen oder Verlosungen zur Verfügung gestellt werden, genauso Ausgaben wie Zuzahlungen. Darum wägt immer individuell ab, welchen Mehrwert Ihr dem Unternehmen bieten könnt und welchen Wert das Produkt für Eure Leser hat.

3. Persönlicher Kontakt und Professionalität

Auch wenn die Blogger-Gemeinschaft sehr schnell per Du ist – seid bei der Kommunikation mit Unternehmen lieber förmlich. Natürlich spricht nichts dagegen, wenn bei persönlicher Sympathie das Du angeboten wird. Mitarbeiter in Kommunikationsagenturen und in Unternehmen sind es jedoch gewohnt die meisten ihrer Kontakt zu Siezen. Darum verwirrt es uns Kommunikationsmenschen manchmal ein wenig, wenn man im Umgang mit Bloggern zu schnell beim Du und Vornamen ist. Wahrt ein wenig professionellen Abstand, zumindest solange Ihr das erste Projekt mit dem neuen Ansprechpartner durchgeführt habt.

Blogger Relations mit happy end?

Eigentlich scheint es so einfach zu sein und doch ist es manchmal gar nicht so leicht mit den Blogger Relations. Das wichtigste für mich persönlich ist immer ein wenig Verständnis zu haben. Verständnis von Unternehmen für den Wert der Arbeit von Bloggern, aber auch Verständnis von den Bloggern für Mitarbeiter in Unternehmen, für die Blogger Relations nur ein Bereich einer weiten Kommunikationslandschaft sind, für welchen meistens nicht das größte Budget im Mediaplan eingestellt wird. Gemeinsam gute Themen zu erarbeiten und einen Mehrwert für Unternehmen und Leser zu generieren sollte für beide Parteien das Ziel sein. Gut gemachte Zusammenarbeit machen Spaß und kann sich für beide Parteien auszahlen. Versprochen! 🙂

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PR-Beraterin und Social Media Nerd, made in Süd-Berlin, liebt das Internet und Public Relations. Ihr Vorname war Inspiration für diesen Blog.

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11 thoughts on “Blogger Relations: So klappt es für Unternehmen und Blogger

  • 24. September 2015 um 17:11
    Permalink

    Liebe Celine,
    ein wirklich toller Artikel!
    Und dein Fazit zum Schluss trifft es perfekt. Ich denke, das gegenseitige Verständnis und der Respekt vor der Arbeit des Anderen ist der Schlüssel zu einer guten Zusammenarbeit. Leider denken wohl viele PR-Menschen, dass Blogger sich über jeden „Inhalt“ freuen der ihnen angeboten wird und sie glücklich sein sollten, „berücksichtigt“ zu werden… da besteht bei „älteren“ PR-Leuten zum Teil wirklich Nachholbedarf….
    Viele Grüße
    Verena

    Antwort
    • 25. November 2015 um 22:06
      Permalink

      Hallo Verena,

      ja leider sind die berufserfahrenen Berater und auch Marketer in Unternehmen oftmals der Meinung Blogger sollten sich doch freuen, wenn man ihnen Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt… das ist schade und zeigt, wie wenig sich gerade im Onlinebereich auch so genannte Profis mit den aktuellen Themen beschäftigen. Von daher vielen lieben Dank für Deinen netten Kommentar! Und sorry für die späte Antwort. LG Céline

      Antwort
  • 15. Oktober 2015 um 23:06
    Permalink

    Danke für diesen Artikel! Schön dass es mal jemand geschafft hat, Blogger Relations von beiden Seiten (Unternehmen UND Blogger) zu beleuchten. Vielleicht hilft diese Step-by-Step Anleitung, um die Zusammenarbeit zwischen Blogs und Firmen in Zukunft angenehmer zu machen.

    Antwort
    • 25. November 2015 um 22:08
      Permalink

      Ja das hoffe ich auch Amelie. Vielen Dank für Dein nettes Feedback! Es freut mich immer total wenn ich sehe, dass ich damit etwas zu einem aktuellen Thema beitragen kann. Bitte entschuldige die späte Antwort. LG Céline

      Antwort
  • 20. Oktober 2015 um 14:46
    Permalink

    Hallo Celine,

    danke für deine Sichtung der beiden Parteien.

    Hättest du denn noch einen Tipp welche Informationen in welcher Aktualität unbedingt in so ein Mediakit gehören?

    Antwort
    • 25. November 2015 um 22:18
      Permalink

      Hallo Steffi,

      also grundsätzlich sollten alle Infos in ein Media Kit, die beim angefragten Unternehmen für Dich sprechen. So gehören zum Beispiel Zahlen aus der Webanalyse rein (z.B. Google Analytics) wie Besucher und Seitenaufrufe pro Monat, die Verweildauer auf Deinem Blog, hast Du Stammleser, wie viele User erhalten Deinen Newsletter, welche Social Media Kanäle nutzt Du und wie sind hier die Follower-Zahlen… Du kannst auch einen Überblick über Deine Themenschwerpunkte geben, etwas zu Deiner Geschichte schreiben (seit wann bloggst Du) und falls Du bereits eine Preisliste hast angeben, wie viel zum Beispiel ein Advertorial, ein Gewinnspiel, ein Best-Practice-Beispiel, das Du bereits umgesetzt hast usw. kostet.

      Ein ganz schönes Media Kit hat zum Besispiel der Blog daddylicious: http://www.daddylicious.de/wp-content/uploads/mediakit_ddl_2015-091.pdf

      Wenn Du selbst grafisch begabt bist oder vielleicht jemanden kennst, der Dir bei der Visualisierung eines Media Kits helfen kann, dann kannst Du Deine Zahlen auch hübsch aufbereiten. Wenn nicht, dann macht das aber auch nichts, denn im Grunde sind die Reichweiten und Preise interessant, wenn das zusagt gucken Marketing-Leute eh nochmal direkt auf den Blog.

      Ich hoffe ich konnte Dir ein wenig helfen. Sorry für die späte Antwort. LG Céline

      Antwort
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